Innere Entwicklung in Krisenzeiten

Wir wissen es alle: Solange es uns persönlich und unseren Lieben gut geht, neigen wir in der Regel dazu, „einfach zu leben“ und es zu geniessen. Manchmal regt sich dann unsere Seele und treibt uns von innen an, etwas für unsere innere Entwicklung zu tun, indem sie uns eine undefinierbare Unzufriedenheit spüren lässt oder uns zu bestimmten Schritten drängt.

Oft sind es aber äussere Umstände, die uns veranlassen, an uns zu arbeiten, etwa eine Krankheit, die Trennung vom Partner, der Tod eines geliebten Menschen, eine berufliche Herausforderung. Es kann sich ebenfalls um weiter reichende Krisen handeln, eine Naturkatastrophe, ein Krieg… oder wie derzeit eine Pandemie, die unser berufliches und soziales Leben durcheinanderbringt.
Unser Umgang mit solchen schwierigen Situationen ist in beiden Fällen gleich, seien sie nun persönlicher oder gesellschaftlicher Art: Es geht immer darum, von der sogenannten „Komfort-Zone“, in der wir alles unter Kontrolle hatten und uns sicher fühlten, über die „Angst-Zone“ und die „Lern-Zone“ in die „Wachstums-Zone“ zu gelangen, in der wir uns wieder wohlfühlen können und eine neue Zuversicht und Sicherheit finden.

Es ist ganz normal, dass wir vor unbekannten Situation zuerst einmal Angst haben. Wichtig ist aber, uns davon nicht lähmen zu lassen und nicht darin zu verweilen. Ein Patentrezept, wie wir diese Angst am besten überwinden, gibt es wohl nicht, dazu sind wir Menschen zu verschieden und gründen auf zu unterschiedlichen Lebenserfahrungen. So mag jemand, der früher schon Krisen erfolgreich bewältigt hat, daraus genügend Mut und Kraft schöpfen. Für einen anderen ist es entscheidend, die Lage gründlich zu analysieren und Lösungsmöglichkeiten zu sehen. Ein Dritter ist so optimistisch oder verfügt über so viel Urvertrauen, dass er überzeugt ist, es werde am Ende schon gut kommen.

Was für uns alle jedoch unerlässlich ist: Neue Erkenntnisse und Fähigkeiten gewinnen und erlernen, um die Krise meistern zu können. Eine wichtige Einsicht sollte immer sein, die Gegebenheiten zuallererst einmal zu akzeptieren; es nützt nichts, uns dagegen aufzulehnen, frustriert, traurig oder verärgert zu sein, wenn die Situation sich nun einmal nicht unmittelbar ändern lässt.
Möglicherweise besteht unsere ganze Lernleistung nur darin, unsere Komfort-Zone auf die neue Lage auszudehnen, das Beste daraus zu machen und unsere Zufriedenheit darin zu finden. Oder wir müssen uns neue Ziele setzen, wenn die alten nicht mehr realisierbar sind, und versuchen, die Chancen, die in jeder Krise vorhanden sind, zu sehen und zu nutzen. Auf jeden Fall sollten wir uns immer wieder sagen, dass das Ganze einen Sinn hat, auch wenn wir ihn (noch) nicht erkennen, und in diesem Urvertrauen gelingt es uns dann, die schwere Zeit recht unbeschadet durchzustehen.

Schaffen wir diesen Lernschritt, so wachsen wir innerlich. Wir gelangen eine Entwicklungsstufe höher und die nächste Krise, die unweigerlich irgendwann kommt, wird uns nicht mehr so hart treffen, wir werden sie zuversichtlicher angehen im Wissen, dass wir gestärkt daraus hervorgehen.

Ich weiss, es ist einfacher gesagt als getan. Und es ist nun einmal so, dass manche Menschen resilienter sind als andere. Wir dürfen niemanden geringschätzen oder es ihm gar vorwerfen, wenn er es nicht so leicht schafft. Gerade in allgemeinen Krisenzeiten, wie der derzeitigen Pandemie, sind die gegenseitige Unterstützung und ein offenes Herz das Wichtigste.

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Nicht am Elend der Welt leiden

Ich halte SMS für ein denkbar schlechtes Medium für ernsthafte, anspruchsvolle Diskussionen. Dennoch habe ich mich neulich hinreissen lassen, mit einem Bekannten in dieser Weise ein kurzes „Gespräch“ zu führen.

Angefangen hatte es ganz harmlos. Er wünschte mir einen guten Tag und schloss mit einem traurig dreinblickenden Emoji.
Also fragte ich ihn – darauf war er zweifellos aus –, ob es ihm nicht gut gehe. Er antwortete: „Nein, natürlich geht es mir nicht gut, wenn ich sehe, wie vielen es derzeit schlecht geht, gesundheitlich wegen Corona und finanziell wegen des Jobverlusts oder geschäftlichen Ruins, ebenfalls wegen Corona.“

Ich ging nur kurz darauf auf ein: „Du hilfst aber niemandem damit, dass du dich schlecht fühlst. Du schadest nur dir selbst.“

Seine Erwiderung: „Doch, das ist genau der Punkt. Wenn ich mich schlecht fühle, verhalte ich mich verantwortungsvoll. Wenn ich mich gut fühle, schere ich mich nicht um die anderen und mache, was ich will.“

An dieser Stelle will ich noch anmerken, dass wir ähnliche Diskussionen früher schon (fruchtlos) geführt hatten und dass er selbst grosse Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus hat, das für ihn als älteren Mann mit verschiedenen Vorerkrankungen bestimmt äusserst gefährlich wäre. Aber: Er hat Angst vor dem Coronavirus, obwohl er – wir Menschen sind ja zuweilen sooooo widersprüchlich! – mit dem Gedanken der Selbsttötung spielt, weil er gesundheitlich schwer angeschlagen ist.

Meine Antwort darauf: „Ein solcher Schluss ist nicht legitim. Weder trifft es zu, dass sich jemand, der wegen des Elends anderer leidet deshalb nicht egoistisch verhält, noch dass jemand, der sich in seiner Haut wohl fühlt, sich nicht um andere kümmert. Wenn du mir unterstellst, dass ich mich rücksichtslos verhalte, nur weil ich aus meiner spirituellen Gesinnung – meinem Urvertrauen – nicht an der Schlechtigkeit der Welt leide und verzweifle, dann tust du mir unrecht.“

Damit beendete ich das Gespräch. Und füge hier nur noch hinzu: Mit-leiden ist sinnlos, mit-fühlen ist wertvoll. Am hilfreichsten für alle ist aber: mit Verantwortung handeln.

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Angst in Zeiten der Coronakrise

Es gibt seit Wochen kaum mehr andere Gesprächsthemen in den Medien. Ich selbst empfinde es als eine überaus interessante und spannende Zeit und verfolge intensiv die Pressekonferenzen der Regierungen in der Schweiz und in Deutschland und des RKI. Während die Pressekonferenzen als Livestream auf verschiedenen Websites übertragen werden, erscheinen ebenfalls die Live-Kommentare der Zuschauer. Beschimpfungen der Referenten, warum Gesichtsmasken nicht ausreichend verfügbar seien, und Beschimpfungen der Kommentarschreiber untereinander, Rufe nach strengerer Regulierung, dazu Fragen, Fragen, Fragen, oft banal oder schon hundert Mal beantwortet. In den meisten Kommentaren erkenne ich viel, viel Angst. Es stimmt mich traurig, wenn ich sehe, wie sehr die Menschen darunter leiden. Zumal ein Teil dieser Angst unnötig ist und dadurch beseitigt werden könnte, dass die einzelnen Menschen sich besser informieren. Der grössere Teil der Angst aber entspringt aus unserer Angst vor dem Unbekannten, Ungewissen – ob es nun ein weltweites Virus ist oder eine ganz persönliche Situation. All diesen Menschen rufe ich zu: Habt Vertrauen! Das Urvertrauen, dass euch nichts geschehen kann, was nicht am Ende gut für euch ist! Nutzt die derzeitige Lage, um innerlich zu wachsen, zu erstarken und die Urangst – vor dem Leiden – zu besiegen. Diese Angst hindert euch am Leben und daran, ihr selbst zu sein und euren eigenen Weg zu gehen, und dies nicht nur in Zeiten des Coronavirus.

Ebenso viel Angst erkenne ich allerdings bei den Entscheidungsträgern der Regierungen. Die Angst, etwas falsch zu machen, zu strenge oder zu lockere Massnahmen zu treffen. Wobei ich mit der Art und Weise, wie die Corona-Krise in der Schweiz und in Deutschland gehandhabt wird, recht zufrieden bin. Doch auch hier ist die Menschlichkeit teilweise verloren gegangen: Wenn Sterbenden die Möglichkeit verwehrt wird, im Tod ihre Lieben um sich zu haben, wenn Kinder von einem Elternteil und Liebende voneinander getrennt werden durch strikt geschlossene Grenzen, wenn die wirtschaftliche Existenz kleiner Gewerbetreibender zerstört wird. Da haben die Regierungen das gesunde Augenmass verloren. Und ich wünsche mir, dass sie bei ihren Entscheidungen künftig nicht nur den Verlust von Menschenleben aufgrund des Coronavirus in die Waagschale legen, sondern auch den Verlust der Menschlichkeit und Wärme.

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Karma Yoga in Zeiten des Corona-Virus

Das Leben steht still, sagen die einen, wenn alle Bars, Restaurants und Geschäfte geschlossen sind und in einigen Ländern bereits ein Ausgehverbot herrscht.
Nein. Das Leben steht nie still. Das Herz schlägt, die Blumen blühen in diesem sonnigen, wunderbaren Frühling, die Vögel singen, bauen ihre Nester und paaren sich.

Wir wissen: In jeder Krise steckt auch eine Chance. Es ist an uns, sie zu nutzen. Es wird in diesen Tagen viel von Entschleunigung gesprochen. Na ja, inwieweit dies für Eltern mit Kindern, die jetzt den ganzen Tag zu Hause sind, möglich ist, wage ich zu bezweifeln. Doch wir alle haben die Chance unser Urvertrauen und unseren Gleichmut zu stärken.

Unser Urvertrauen sagt uns – und das sollten wir uns fortwährend in Erinnerung rufen –, dass uns nichts geschehen kann, was nicht für uns bestimmt ist, sei dies eine Krankheit oder gar der Tod. Es sagt uns auch, dass uns nie mehr aufgebürdet wird, als wir auszuhalten vermögen. Und vor allem, dass wir getragen sind, vom Göttlichen, von Mutter Erde, vom Universum, von Höheren Mächten, wie wir dieses Grosse Ganze auch nennen.

Den Gleichmut brauchen wir, um die Lage anzunehmen, wie sie nun einmal ist, ohne zu klagen über all das, was gerade nicht möglich ist. Verinnerlichen wir die Aussagen der Bhagavadgita:

Gleichmütig gegenüber Freund und Feind, gleichmütig gegenüber Ehrung und Beschimpfung, Freude und Leid, Lob und Tadel, Kummer und Glück, Hitze und Kälte, still, genügsam und zufrieden mit allem, ohne an Menschen und Dingen, Ort und Heim zu hängen …

Bhagavadgita XII, 18 f.

Wer Glück und Leid, Gold und Schlamm und Stein als gleichwertig betrachtet; wem das Angenehme und das Unangenehme, Lob und Tadel, Ehre und Schande, der Kreis der Freunde und der Kreis der Feinde eins sind; wer beständig in einer weisen, unerschütterlichen und unwandelbaren in­neren Ruhe und Stille weilt; wer keine Tat anstrebt – dieser Mensch steht über dem Wirken der Natur.

Bhagavadgita XIV, 24 f.

Und handeln wir jederzeit so, wie es erforderlich ist: verantwortungsvoll gegenüber uns selbst und unseren Mitmenschen.

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Liebe ist kein Deal

Mein neues Buch ist erschienen! Ich stelle es euch nachfolgend kurz vor.

Karin Jundt
Liebe ist kein Deal
Ein Weg zur glücklichen
Paarbeziehung

ISBN 978-3-907091-16-6
Softcover, 188 Seiten

Der Liebesdeal ist das in Paarbeziehungen am häufigsten gelebte Modell. Es beruht auf dem Prinzip eines ausgewogenen Gebens und Nehmens mit einem fairen Verhältnis zwischen Rechten und Pflichten. Betrachtet man jedoch die hohen Trennungs- und Scheidungsraten und die erhebliche Anzahl unzufriedener oder konfliktärer Beziehungen, ist es offenbar nicht besonders erfolgreich.
Wonach wir uns in Wahrheit sehnen, ist die selbstlose, bedingungslose, vorbehaltlose Liebe, ohne Forderungen und Erwartungen, die eine harmonische Verbindung zweier Menschen nährt, in welcher jeder er selbst sein darf und angenommen und ge­liebt wird, wie er ist.
Reine Liebe, ein hohes Ideal. Um es zu erlangen, ist zuerst eine gründliche Auseinandersetzung mit dem eigenen Ego unerlässlich. Die tragenden Elemente für ein Leben im Einklang mit sich und dem Partner sehe ich dann in Selbstliebe, Authentizität, Kommunikation und Einheit.

Mein Buch richtet sich an Menschen, die den Weg der selbstlosen Liebe einschlagen oder vertiefen wollen. Es ist aber auch für all jene ein Wegweiser, die ihre Partnerschaft friedlicher und bereicher­nder gestalten oder an bestehende Probleme herangehen und sie bewältigen möch­ten. Ebenso wie für Singles, die im Hinblick auf eine künftige Paarbeziehung einen neuen Impuls suchen, auch um die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen.
Wie es für meine Wegweiser-Bücher charakteristisch ist, bleibe ich nicht bei der Theorie stehen, vielmehr gebe ich konkrete, im Alltag anwendbare Anleitungen und Tipps, damit die neuen Erkenntnisse in der Praxis genutzt und umgesetzt werden können.

Eine Leseprobe könnt ihr hier herunterladen.

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Meine Ichs

Die Vorgeschichte. Marrons glacés sind meine allerliebste Süssigkeit. Als Kind bekam ich immer zu Weihnachten eine Schachtel, zwölf Stück waren darin. (Danach das ganze Jahr keine mehr – damals gab es sie in Italien auch nur im Winter zu kaufen.) Sie hielten nie lange, ich verschlang sie jeweils alle in zwei, drei Tagen.

Später, als Erwachsene, vergass ich sie irgendwann, bis ich sie vor ein paar Jahren wiederentdeckte, weil es sie inzwischen sogar in meinem Supermarkt zu kaufen gibt.
In einer Schachtel hat es immer noch zwölf Stück und ich würde sie immer noch am liebsten alle auf einmal essen. Eine Zucker- und Kalorienbombe!

Anfang November sah ich, wie sie im Supermarkt die Weihnachtsleckereien auftürmten, natürlich auch die Marrons glacés. 
Mein Vernunft-Ich sagte: „Nein, nicht schon im November. Ich kaufe erst im Dezember die erste Schachtel und esse dann jeden Tag nur ein Stück zum Kaffee.“

Gestern Morgen – Mitte November – beim Einkauf im Supermarkt sagte mein Verführer-Ich: „Ach was, warum soll ich mir die Freude versagen? Ich kaufe eine Schachtel und esse wirklich nur ein Stück pro Tag.“
Ich kaufte eine Schachtel.

Gestern Mittag beim Kaffee sagte mein Nasch-Ich nach dem ersten Marron glacé: „Himmlisch! Es sind die ersten dieses Jahr, ich esse noch eins. Ab morgen dann wirklich nur noch eines pro Tag.“
Gestern Abend war die Schachtel halb leer. Und ich befürchte, heute Abend wird sie ganz leer sein.

Sagen wir „Ich“, so empfinden wir uns ja als eine Einheit, ein Einziges. In Wirklichkeit sind wir aber nicht die Einheit, für die wir uns halten, das erfahren wir immer wieder in Situationen wie in meiner Marrons-glacés-Geschichte. Eines unserer Ichs will etwas, nimmt sich etwas vor – und ein anderes wirft die Pläne, die Entscheidung über den Haufen, weil es etwas anderes will. Dazu hat P. D. Ouspensky aus seinen sufistischen, theosophischen und psychologischen Grundlagen eine eigene Theorie entwickelt:

„Der Mensch ist eine Maschine. Er hat keine unabhängigen Bewegungen, weder äußerlich noch innerlich. Er ist eine Maschine, angetrieben von äußeren Einflüssen und von äußeren Anstößen. […] Vor allem soll der Mensch wissen, dass er nicht eine Einheit ist – er ist eine Vielheit […] Dadurch, dass er stets die gleichen physischen Empfindungen hat, sich immer beim gleichen Namen rufen hört und sich in Gewohnheiten und Neigungen wiederfindet, die er immer gekannt hat, bildet er sich ein, stets derselbe zu sein. In Wirklichkeit ist keine Einheit im Menschen, es gibt weder ein alleiniges Befehlszentrum noch ein bleibendes ‘Ich’ oder Ego. […] Alle Gedanken, jedes Gefühl, jede Empfindung, jeder Wunsch, jedes ‘ich mag’ oder ‘ich mag nicht’ ist ein ‘Ich’. Diese ‘Ichs’ sind untereinander nicht verbunden noch irgendwie koordiniert […] Einige ‘Ichs’ folgen anderen ganz mechanisch, einige erscheinen immer von anderen begleitet, aber darin liegt weder Ordnung noch System.“

Nach Ouspensky sind wir uns selten unserer selbst bewusst, vielmehr läuft alles automatisch ab. Daraus folgt: Wir müssen uns wieder „selbst-erinnern“, uns unserer selbst in jedem Augenblick bewusst sein. Versuchen wir beispielsweise, den Zeiger einer Uhr zu beobachten und uns gleichzeitig bewusst zu sein, dass wir es sind, die dies tun, so schaffen wir das keine zwei Minuten lang. Ganz schnell verlieren wir die bewusste Empfindung wieder, dass wir da sind. Als Instrument, um diese Selbst-Bewusstheit und damit ein Einheits-Ich zu erlangen, sieht Ouspensky die Selbst­beobachtung. Für ein großes Hindernis hält er die Identifikation: Wir identifizieren uns ständig mit allem, was wir sa­gen, wissen, denken, mit unseren Wünschen, mit Geliebtem und Verhasstem – doch das alles sind nur verschiedene Ichs in uns, es ist nicht das wahre Ich (die Seele). Diese Identifikation hindert uns also am Selbst-Beobachten und folglich am Selbst-Erinnern, und wir müssen sie aufgeben, wollen wir unser wahres Selbst finden.

Achtsamkeit – in jedem Augenblick. Dann fällt es uns auch leichter, Versuchungen zu widerstehen und unserem weisen Ich zu folgen.

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Stehaufmännchen und -frauchen

Die einen Menschen erleiden immer wieder Rückschläge, ja mehr oder minder schwere Schicksalsschläge – und überwinden sie, erholen sich davon und gehen ihren Lebensweg nicht nur unbeschadet, sondern sogar gestärkt weiter.
Anderen widerfährt etwas in unseren Augen gar nicht so Schlimmes – und sie zerbrechen daran.

Woran liegt es, dass die einen widerstandsfähiger sind als andere? In der Psychologie bezeichnet man die Widerstandskraft gegenüber Herausforderungen als Resilienz. Wie viel davon angeboren und wie viel erlernt ist, kann man nicht exakt bestimmen.
Natürlich besitzt jemand, der schon als Kind stets wertgeschätzt und ermutigt wurde, in der Regel eine höhere Resilienz als jemand, dem kein Selbstvertrauen mit auf den Weg gegeben wurde.
Doch, und das ist wichtiger, Resilienz kann man lernen. Nach meiner persönlichen Beobachtung gehen Menschen, die sich schon früh mit Herausforderungen konfrontiert sehen, etwa chronische Krankheiten oder schwierige familiäre Verhältnisse, auch später besser damit um, das Schicksal macht sie zu „Kämpfernaturen“, die nicht so schnell aufgeben.

Während die Psychologie die positiven Faktoren und Ressourcen, welche diese Widerstandskraft begünstigen, in einem guten sozialen Umfeld, einem befriedigenden Beruf, in emotionalen Bindungen, einer positiven Lebenseinstellung und mehr sehen, beruht sie von einer spirituellen Betrachtungsweise aus auf Urvertrauen und Gleichmut – zwei Pfeiler des Karma Yoga.


Zugegeben, das Urvertrauen ist ein Geschenk, eine Gnade, die wir nicht erzwingen können. Dennoch können wir selbst eine Menge dafür tun; viele Anregungen findet ihr, wenn ihr auf das Stichwort „Urvertrauen“ auf dieser Webseite klickt (unten in der rechten Spalte).


Was hingegen den Gleichmut betrifft, so liegt es (fast) allein in unserer Hand, ihn zu erlangen oder zu stärken. Er gründet im Wesentlichen auf dem Lebensmotto: „Alles, einschliesslich sich selbst zwar ernst, aber nicht so wichtig nehmen.“ Wie oft machen wir uns das Leben doch unnötig schwer, weil wir uns über Kleinigkeiten ärgern, belanglose Wünsche zu Alleinseligmachendem hochstilisieren und Unwichtiges eben für wichtig halten! Und in diesem Zusammenhang für oder gegen etwas kämpfen, das unabänderlich ist. So lautet denn auch das zweite wichtige Lebensmotto: „Ich ändere die Dinge, die ich ändern kann; ich akzeptiere mit Gelassenheit die Dinge, die ich nicht ändern kann; und ich unterscheide weise zwischen den einen und den anderen.“

Sowohl vom psychologischen als auch vom spirituellen Standpunkt aus, um eines kommen wir jedenfalls nicht herum, wollen wir unsere Widerstandskraft gegenüber den „Widrigkeiten des Lebens“ stärken und zu wahren Stehaufmännchen und -frauchen werden: Üben. Üben üben und nochmals üben.

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Gesund oder heil?

Das Fehlen von Krankheitssymptomen bezeichnen wir als Gesundheit. „Es geht mir gut“, sagen wir dann. Heisst das, wir sind heil?
Das Wort geht auf das althochdeutsche Heil zurück, das Gesundheit, Glück bedeutete; es ist auch mit dem altenglischen hael (= günstiges Vorzeichen) sowie mit den heutigen englischen Wörtern whole (= ganz) und hale (= gesund, rüs­tig, munter) verwandt, vielleicht auch mit dem hebräischen holah (= das, was emporsteigt). Im Christentum bekam Heil den Sinn von Erlösung, wie es heute noch in Begriffen wie Heilslehre und Heilsgeschichte enthalten ist. Im ursprünglichen Sinn von Glück verwenden wir es noch in guten Wünschen wie Weidmanns Heil und Petri Heil.
Wann sind wir also heil? Bestimmt nicht dann, wenn wir gerade nicht krank sind, also gesund. Zum Heil-Sein gehört mehr: Schliessen wir doch alle oben erwähnten Bedeutungen ein! Heil sind wir, wenn wir in al­len unseren Elementen gesund sind, zufrieden/glücklich in uns ruhen, ganz im Sinn der Einheit von Seele und Ego beziehungsweise von Seele und verwandeltem Ego, em­porgestiegen und erlöst im Sinn von aufs Göttliche ausgerichtet oder eins mit ihm. Erst dann geht es uns wahrhaft gut; beim blossen Fehlen von Krankheitssymptomen sind wir noch lange nicht heil.

Auch wenn wir uns auf den spirituellen Weg begeben und unser Heil suchen, bleiben wir deswegen nicht verschont von scheinbar gewöhnlichen Erkrankungen mit ihrer ge­wöhnlichen Symbolik. Auf die Deutung und Bedeutung von Krankheiten und Symptomen will ich jedoch nicht eingehen, zu diesem Thema gibt es viele Bücher, z.B. von Dr. Rüdiger Dahlke. Dafür stelle ich (in aller Kürze) ein Modell vor, bei dem der Energiefluss im Vordergrund steht; es stammt von der italienischen spirituellen Psy­cho­login Angela Maria La Sala Batà, das sie in ihrem Buch „Medicina psico-spirituale“ erläutert. Danach entstehen Krankheiten durch unsere falsche Verwendung der Energie. Die daraus resultierenden Störungen lassen sich in zwei Kategorien aufteilen.
• Störungen, die aus einer Energiestauung entstehen. Die Energie wird zwar aktiviert, beispielsweise in einer schwierigen, herausfordernden Situation, der wir uns stellen, so­dass wir uns in Alarmbereitschaft versetzen. Dann weichen wir aber zurück und die Energie wird nicht benutzt. Da­durch entsteht eine Energie­stauung und daraus eine Spannung. Symp­tome sind Reizbarkeit, Erregung, Ängstlichkeit; die entsprechenden Erkrankungen sind oft entzündlicher Natur, manifestieren sich aber auch in Symptomen von Überschuss, wie Bluthochdruck, Überproduktion von Ma­gensäure, Muskelverspannungen.
• Störungen, die auf einer Energiehemmung beruhen. Die Energie wird, teilweise auch unbewusst, zurückgehalten, am normalen Wirken gehindert – etwa wenn wir uns einer schwierigen, herausfordernden Situation erst gar nicht stellen, sondern ihr ausweichen oder in kindlicher Weise Hilfe suchen; wir unterdrücken die in uns vorhande­ne Energie. Die Symptome sind Müdigkeit, Erschöpfung, Depression, Apathie, Nachlässigkeit; die entsprechenden Erkrankungen sind oft organischer Natur, bis hin zum Tod eines Organs, der auf einer Unterversorgung mit Energie beruht.

(Dieser Text stammt im Wesentlichen aus meinem Buch: „Unsere innere Welt. Sonnwandeln Band IV“)Artikel teilen auf:

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