Lernen aus Ereignissen

Im Prinzip will uns jedes Ereignis etwas lehren, nichts geschieht ohne Sinn, auch das nicht, was wir zuweilen als „Zufall“ oder „Schicksal“ bezeichnen. Doch manchmal findet der Verstand keine Erklärung, welches die „Lektion“ in unserer Lebensschule ist; das bedeutet aber nicht, dass unsere Seele keine Lehren daraus zieht.
Wir bestehen aus einem mentalen, einem emotionalen, einem körperlichen und einem seelischen (spirituellen) Element, die alle miteinander verwoben sind, aber durchaus auch eigenständig agieren und Erfahrungen sammeln können.
Wenn wir beispielsweise Klavierspielen lernen, werden unsere Hände am Anfang vom Verstand gesteuert, es bedarf eines Denkprozesses, um die richtige Taste anzuschlagen: Auf dem Notenblatt sehen wir, dass als erste die Note C kommt, wir wissen auch, welche Taste das C ist, und schicken dann unseren Finger dahin; das Gleiche geschieht mit der nächsten Note, dann mit der übernächsten und so fort. Mit der Zeit, nachdem wir das Stück wieder und wieder geübt haben, laufen unsere Finger „automatisch“ über die Tastatur und spielen das Musikstück ohne den Denkprozess: Die richtige Tastenfolge ist im Körper-Gedächtnis gespeichert. Das Gleiche geschieht beim Autofahrenlernen (am Anfang müssen wir an jede einzelne Hand- und Fussbewegung denken!) und bei vielen anderen Tätigkeiten.
Es kann also sein, dass unser Verstand ein Ereignis nicht begreift und nicht zu deuten in der Lage ist; es findet jedoch ins körperliche, emotionale oder seelische Element Eingang, bewegt hier etwas und führt eine Veränderung herbei, die uns im Moment zwar nicht bewusst ist, die wir aber später bestimmt wahrnehmen (dieser Sachverhalt ist offenkundig bei traumatischen Erlebnissen, doch es geschieht unzählige Male – von uns unbemerkt – mit positiver Wirkung!). Damit wird also die Wichtigkeit relativiert, das Zugefallene immer verstehen zu müssen. Wir dürfen es auch einfach zur Kenntnis nehmen und darauf vertrauen, dass unsere Seele es verstanden hat.

Ein weiterer Aspekt: Wir können davon ausgehen, dass alles eine Bedeutung, einen Sinn hat und dass alles, was auf der Welt geschieht, miteinander verwoben ist, also auch ein „unbedeutendes“ Detail, wie beispielsweise dass eine bestimmte unbekannte Person neben mir im Zug sitzt. Ob wir diesen Sinn in jedem noch so nebensächlichen Ereignis suchen sollen, ist eine andere Frage! Ständig darüber nachdenken, was dieses und jenes Detail zu bedeuten hat, hindert uns am Er-leben; vielmehr sollten wir einfach staunen, wenn kleine Ereignisse sich zu einem grossen ineinander fügen, wie aus nebensächlichen Begebenheiten entscheidende Wenden im Leben entstehen… Das Dasein ist unheimlich spannend, durchwandern wir es mit offenen Augen, und wir lernen viel beim blossen Beobachten, Wahrnehmen und schlichten Erleben, ohne ständig alles durch den Verstand zu schleusen.

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Ein Gedanke zu “Lernen aus Ereignissen

  1. 🙄 es ist immer wieder erstaunlich wie jeder Augenblick im Leben zählt und das winzig kleine Momente der Liebe als Glücksgefühl wahrgenommen werden.Aber dennoch daraus Sehnsucht Kummer und Schmerz werden kann .Meine Seele hat es nicht verstanden und und möchte genau das noch einmal um irgend wann mit der sogenannten Lektion auch fühlen zu können.Der Verstand weiss schon wie sinnlos es ist.

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