Ich bin, was ich sage

Vor wenigen Tagen kam ich kurz nach zwölf zu Fuss an einer Bank vorbei. Die Angestellten verliessen sie soeben, um in ihre Mittagspause zu gehen. Eine elegante, schöne junge Frau, etwa 25, sorgfältig geschminkt, aufrecht und sicher auf ihren Highheels sagte gerade lachend zu ihrem männlichen Begleiter: „Das isch ja huere geil!“ [huere geil, wörtlich: hurengeil; heutzutage oft verwendete Schweizer Ausdrucksweise]
In meiner Jugend war das Wort „geil“ in einem anderen als einem sexuellen Kontext noch völlig ungebräuchlich. Das Wort „huere“ als verstärkenden Bestandteil, in Zusammensetzungen wie „huere guet“ und „huere schön“, oder als Schimpwort „du huere tubel“, verwendeten wir nur, wenn keine Erwachsenen zuhörten – sonst wären wir gehörig ausgeschimpft worden!

Die Sprache wandelt sich, das ist wahr. Im 16. Jahrhundert und noch für lange Zeit meinte „geil“ einfach fröhlich, freudig; erst später bekam es die Bedeutung von sexuell erregt. Den jungen Leuten von heute ist das kaum mehr bewusst, sie verwenden es bei jeder Gelegenheit für toll, super.
Es ist nichts dagegen einzuwenden, dass wir Ausdrücke in einer veränderten Bedeutung verwenden. Mich hat die kurze Episode vor der Bank bloss wieder einmal daran erinnert, dass jedes Wort, jeder Laut, jeder Klang eine bestimmte Schwingung hat. Wenn wir ein Wort aussprechen, so wirkt diese Schwingung auf uns und auf diejenigen, die es hören. Darüber sollten wir uns klar sein und deshalb unsere Ausdrucksweise etwas sorgfältiger wählen, als wir das manchmal tun, vor allem auch bewusster und uns nicht einfach von alten Verhaltensmustern leiten lassen. Denn eine Schwingung, der wir immer wieder ausgesetzt sind, wirkt in uns und macht uns zu dem, was ihr entspricht.
Das Gleiche trifft übrigens auch zu für alles, was wir sehen beziehungsweise anschauen – darüber mehr in einem meiner nächsten Artikel.

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