Der Tod – immer ein unerwarteter Gast

Das Thema meines letzten Beitrags lässt mich noch nicht los. Von einem gewissen Alter an kommt es nun einmal immer häufiger vor, dass wir geliebte Menschen durch Tod verlieren. Deshalb noch einige weitere Gedanken dazu.

Tagtäglich kommen wir mit dem Tod in Berührung: Wir lesen in der Zeitung, sehen im Fernsehen Bilder von Toten durch Unfälle, Naturkatastrophen, Verbrechen, Kriege; auch in unserem näheren oder weiteren Umfeld, im Bekanntenkreis oder am Arbeitsplatz, stirbt von Zeit zu Zeit jemand oder erleidet eine lebensbedrohliche Krankheit. Obwohl der Tod also allgegenwärtig ist, leben wir nicht wirklich Seite an Seite mit ihm: Sobald er an unsere eigene Türe klopft, erschrecken wir gewaltig und wollen nichts mit ihm zu tun haben.
Der Tod betrifft immer nur die anderen, wir rechnen nicht mit diesem unerwünschten Gast. Raubt er uns einen Menschen, der uns wirklich na­hesteht, sind wir völlig unvor­bereitet und müssen von Grund auf lernen, mit dem Schmerz und dem Verlust umzugehen.

Wäre es denn sinnvoll, mit dem Tod zu leben, bevor der Ernstfall tatsächlich eintritt? Ist es überhaupt möglich, ihn in der Theorie vorwegzunehmen, lernen mit ihm umzugehen, solange er nicht wirklich präsent ist? Stellt er nicht immer eine „Ausnahmesituation“ dar?
Vermutlich nützt uns eine gemachte Erfahrung, sei es in der Realität oder lediglich durch die gedankliche und emo­tionale Auseinandersetzung, für einen künftigen To­desfall nicht viel: Jeder ist etwas anderes und von Neuem unbekannt. Uns auf den konkreten Tod eines geliebten Menschen vorzubereiten, wird uns wahrscheinlich nicht gelingen.

Sinnvoller ist es – und das hilft uns bei jedem Verlust, ob durch Tod oder durch Trennung –, die Eigenschaften und Werte in uns aufzubauen und zu stärken, die uns in jeder Lebenssituation tragen: Urvertrauen, Gleichmut und die Hingabe an das Göttliche.

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