Bis zum letzten Rest

Meine Mutter ist im Krieg aufgewachsen, in der Schweiz zwar, die am Kriegsgeschehen nicht beteiligt war, doch die Lebensmittel waren auch bei uns rationiert. Sie hat mir immer wieder erzählt, dass sie mit einem Ei pro Monat, mit x Gramm Butter und so weiter auskommen mussten.

Das hat sie geprägt, wie viele Menschen, die jene Zeit miterlebt haben. Sie ging mit Esswaren immer sorgfältig um, warf nie etwas weg. Manchmal hat sie mich sogar ein bisschen genervt, wenn sie die Pfanne mit dem Kartoffelstock ausschabte, bis kein Krümelchen mehr darin war, die Pfanne der Tomatensosse noch mit einem Stückchen Brot ausputzte, bevor sie sich endlich auch an den Tisch setzte und wir essen konnten.

Bei vielen Menschen kann man hingegen beobachten, dass sie ihren Teller nicht „sauber“ aufessen, einige Streifchen Karottensalat, die letzten Reiskörner, einen Klecks Vanillecreme liegen lassen.
Seit vielen Jahren mache ich das nicht mehr, ich picke auch das letzte Reiskorn auf, ist es noch so mühsam. Nicht weil ich keine Lebensmittel verschwenden will, damit es weniger Hunger auf der Welt gibt; daran ändert sich dadurch nichts.
Sondern aus dem Gedanken des Karma Yoga, immer alles so gut wie möglich zu tun. Was gibt es denn objektiv für einen Grund, etwas – und sei es noch so wenig – auf dem Teller zu lassen? Ist es nicht etwa reine Faulheit? Oder Achtlosigkeit? Nachlässigkeit? Mangelnde Wertschätzung für das Geringe?
Was es auch immer ist: Es widerspricht dem Grundprinzip des Karma Yoga. Und wohl jeder spirituellen Richtung.

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