Der Planet, auf dem Gott wohnt

Ich wollte über einiges meiner gegenwärtigen Lebenssituation nachdenken und bin mit dieser Absicht für ein paar Tage ans Meer gefahren, allein.
Unterwegs im Auto hörte ich einen Science-Fiction-Roman von Andreas Eschbach, „Quest“, ein Audiobuch, das mein Liebster mir eine Woche davor gegeben hatte. Science-Fiction ist nicht gerade mein bevorzugtes Genre, aber da ich von diesem Autor schon einiges gelesen hatte und ihn tiefgründiger wusste als irgendeiner, der einfach über Aliens und interstellare Kriege schreibt, hatte ich einmal hinein gehört und die spannende Geschichte packte mich schnell. So fand ich es auch eine gute Ablenkung von meinen Gedanken, die ich mir für die langen Spaziergänge am Strand aufsparen wollte.
Etwa eine Stunde bevor ich mein Ziel am Meer erreichte, kam ich im Roman an eine Stelle, die mich aufhorchen liess. Bis dahin wusste man nicht, worum es Quest, dem todkranken Kommandanten des Raumschiffs, wirklich ging. Man wusste zwar, dass er den sagenumwobenen „Planeten des Ursprungs“ suchte, von dem alles Leben des Universums ausgegangen sein soll. Aber erst jetzt, fast am Schluss des Romans, erfährt man, dass er ihn suchte, weil auf ihm angeblich Gott wohnt, und diesem Gott zürnte er und er wollte ihm die Meinung sagen und von ihm endlich wissen, warum so viel Schreckliches passiert war in seinem Leben.
Nun hatten sie den Planeten des Ursprungs also endlich gefunden und das Raumschiff befand sich auf einer Umlaufbahn um ihn. Nur Quest ging auf den Planeten hinunter, während die anderen im Raumschiff blieben und auf ihn warteten. Lange, sehr lange, bis er endlich zurückkehrte.
Natürlich fragten sie ihn, was er erlebt habe. Er erzählte, er sei einfach herumgelaufen und habe irgendwann angefangen Gott zu rufen und ihm schliesslich, ohne ihn zu sehen oder zu spüren, seinen ganzen Groll herausgeschrien.
„Und dann?“, fragte ein Besatzungsmitglied, „Was geschah dann?“ Alle waren äusserst gespannt.
Aber Quest antwortete nur: „Nichts. Es geschah nichts.“
Er war frustriert, verzweifelt gewesen, dass er nach der Mühsal, um Gottes Planeten zu finden, nichts erreicht, keine Antwort auf seine Fragen gefunden hatte. Er sagte:

Ich habe einfach aufgegeben. Vielleicht gibt es überhaupt nichts, das man finden könnte, womöglich existiert nichts, das man erreichen könnte. Das ging mir wie ein Blitz durch den Kopf. Ich hatte plötzlich das Gefühl, das Spiel zu durchschauen. Ein infames Spiel. Wir sind so geschaffen, dass wir den Drang in uns fühlen, nach etwas zu streben, etwas zu wollen, uns nach etwas zu sehnen. Aber wir wissen nicht genau was eigentlich. Solange wir jung sind, suchen wir es in der Liebe zwischen Mann und Frau, später im Reichtum, im Einfluss, in Reisen oder Abenteuern. Und immer wenn wir etwas erreicht, etwas gefunden, etwas erlangt haben und feststellen, dass es nicht das war, wonach wir gesucht haben, sagen wir uns, dass wir einfach noch ein Stück weiter gehen müssen, dass es nicht mehr weit sein kann, dass es gleich um die nächste Ecke sein muss, endgültig und ein für alle Mal.
Aber was, wenn dieser Drang einfach ins Leere läuft, wenn er uns nach etwas suchen lässt, das überhaupt nicht existiert, wenn er nur dazu da ist, uns ein Leben lang in Bewegung zu halten, damit das Schauspiel immer weiter geht, das Drama der Hoffnungen und Leidenschaften, über das ein böser Gott sich amüsiert?
Ich beschloss, mich zu verweigern, ich beschloss mich hinzusetzen und nichts mehr zu tun, einfach nichts mehr zu wollen oder zu wünschen, auch nur zu denken, weil mein Denken bloss eine andere Art des Wollens, Planens und Strebens gewesen wäre.
Also habe ich mich hingesetzt und beschlossen, absolut nichts mehr zu tun, egal was passieren würde. Ich sagte mir, dass ich im schlimmsten Fall sterben würde, aber das würde ich sowieso. Und so habe ich es gemacht, ich habe mich hingesetzt und mich geweigert, irgendetwas zu tun.
[…]
Ich sass einfach nur da. Ich fiel in dämmrigen Schlaf, schreckte immer wieder hoch, doch als die Müdigkeit übermächtig wurde, wehrte ich mich nicht mehr und sank zur Seite. Ich weiss noch, dass ich dachte, ich würde nun sterben, und dass es mir gleichgültig geworden war. Aber ich bin wieder aufgewacht. Ich lag da, starrte vor mich hin, in das Gespinst der Flechten und es war mir egal, dass ich noch lebte. Ich wartete nicht einmal mehr auf irgendetwas. Ich hatte sogar aufgehört, mich zu verweigern.

Wundervoll, dieses vollständige Loslassen! Es erinnerte mich an die Geschichte des Buddha, der alles versucht hatte, um die Erleuchtung zu erlangen, und es nicht geschafft hatte – bis er sich unter einen Baum setzte und aufgab.
Das Hörbuch ging noch weiter, Quest sagte: „Und dann… ist es geschehen.“ „Was? Was ist geschehen?“, fragten die anderen, „Ist dir Gott erschienen?“
Und so ging die Geschichte weiter:

„Gott…“. Quest sprach das Wort aus, als würde er es schmecken. „Nein. Ich glaube nicht. Oder vielleicht doch. Wir irren uns alle völlig, das weiss ich jetzt. Die Wahrheit ist unfassbar anders, als wir denken.
Ich habe eine andere Welt gesehen. Oder ich habe diese Welt gesehen, nur mit anderen Augen. Wenn ich euch nur sagen könnte, was ich gesehen habe! Es ist alles so viel gewaltiger, als wir es uns auch nur erträumen können. Die Wahrheit ist so wunderbar, dass es einen umbringen kann, sie zu erfahren.“
Urplötzlich lachte er auf, lachte laut und lauter, brüllte beinahe, während sie ihn entsetzt beobachteten. Dann beruhigte er sich wieder, fand zu einem gelösten, heiteren Lächeln zurück, wie man es auf seinem Gesicht noch niemals gesehen hatte.
„Ihr werdet das nicht verstehen, aber ich muss es euch doch sagen. Das Leben ist absurd, unsere ganzen Ambitionen, unsere ganzen Enttäuschungen sind lächerlich, unsere Schmerzen sind lächerlich, sogar ich selbst“, fügte er hinzu und zuckte förmlich vor Heiterheit, „bin absolut lächerlich.“
„Ich glaube, ich will auch da hinunter fliegen“, entfuhr es einem der Männer.
„Das könnt ihr tun“, sagte Quest mit einem seltsam unersten Ernst. „Aber glaubt mir, man kann Gott nicht besuchen, eine Tasse Tee mit ihm trinken, sich nett mit ihm unterhalten und dann wieder seiner Wege gehen. Denkt daran: Dort hinab zu gehen, bedeutet, sein Leben einzubüssen, ohne zu wissen, was danach kommt.“

Ich war tief berührt. Alles Weisheiten, die ich längst kannte. Aber offenbar war es nötig, dass mich jemand wieder einmal daran erinnerte.
Hör auf zu wollen! Hör auf zu planen! Gib dem Göttlichen die Chance, dich zu führen, zu dem, was gut für dich ist, ohne dass du die Richtung vorgeben willst! Lass los! Vergiss nicht, dass du mit Gott eine Tasse Tee getrunken hast – du kannst nie wieder einen anderen Weg gehen.

Als ich später am Strand barfuss dem Wassersaum entlang ging, erklangen diese Erkenntnisse in mir, nicht im Kopf, sie schwangen in meiner Seele. Seit langem hatte ich nicht mehr diesen Frieden in mir gefühlt, diesen Gleichmut, dieses Loslassen.
Und in dieser Hingabe, in der absoluten Stille meiner Gedanken, waren plötzlich all die Antworten in mir, nach denen ich wochen- und monatelang gesucht hatte.

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Wenn du wachsam bist…

… ist das Leben ein spannendes Abenteuer. Ständig begegnen dir Menschen, die dir etwas zu sagen haben, selbst wenn sie nicht mit dir sprechen. Laufend erlebst du Ereignisse, die voller Bedeutung für dich sind, sobald du hinter ihre Äusserlichkeit schaust. Immer zieht sich ein roter Faden durch dein Leben und wenn du ihm aufmerksam folgst, entdeckst du jeden Tag in den Herausforderungen die Chance, innerlich zu wachsen, in den glücklichen Augenblicken die Geschenke der Gnade, in den Momenten tiefster Traurigkeit das Tor zu dir selbst und in unerträglichem Schmerz eine tröstende, helfende Hand, bereit dir alle Last abzunehmen.

Wenn du wachsam bist, macht alles Sinn. Nichts ist Zufall, was dir widerfährt, nicht die Ereignisse, die du als angenehm empfindest, noch die, welche dir Kummer machen. Das Leben verschwendet keine Zeit und verpasst keine Gelegenheit dir etwas beizubringen, dir die Richtung zu weisen, dich auf den Weg zurückzuführen, wenn du dich verirrt hast. Solange du glücklich bist, tief innen zufrieden, brauchst du an deinem eingeschlagenen Weg nichts zu ändern. Aber wenn du leidest, ist es das untrügliche Zeichen, dass du in deinem Leben etwas ändern musst – und sei es nur die innere Einstellung dem Schmerz gegenüber, indem du lernst, dass alle Gegensätze nur Illusion sind: Kälte und Hitze, Hunger und Sättigung, Krankheit und Gesundheit, Armut und Reichtum, Freud und Leid, alle sind sie nur Ausdruck des Einen, und es gibt keinen Grund, das eine zu mögen und das andere zu hassen.

Wenn du wachsam bist, erkennst du in allem Symbole und Zeichen. Du nimmst sie wahr und bemühst dich, sie zu deuten und zu verstehen; selten gelingt es dir sofort, manchmal erst nach Jahren, oft gar nicht. Aber du weisst auch, dass selbst Deuten und Verstehen nicht wichtig sind, wenn du darauf vertraust, dass das Göttliche dich führt und lenkt und in jedem Augenblick deines Lebens für dich sorgt.

Wenn du wachsam bist, siehst du dieses dein Leben als eine Etappe auf einer unendlich langen Wanderung; was bereits hinter dir liegt, hast du vergessen, was dir noch bevorsteht, kennst du nicht. Von den Hindernissen, die du auf deinem Weg findest, weisst du nie, ob sie deinen Mut und deine Kraft fördern wollen, indem du sie überwindest, oder ob sie dich zur Umkehr ermahnen. Und wenn du eine prachtvoll bunte, duftende Blumenwiese erreichst, bist du nicht sicher, ob sie dich zum Pflücken einlädt oder deine Enthaltsamkeit gegenüber der Versuchung prüfen will. Aber du weisst, dass – wie immer du auch entscheidest – weder das eine falsch noch das andere richtig ist. Du vertraust darauf, dass alles stets zu deinem Besten geschieht.

Wenn du wachsam bist, nimmst du deine Wanderung durchs Leben leicht, ob der Pfad steil, steinig ansteigt oder sanft über blühende Wiesen führt. Und du freust dich ebenso über süsse Heidelbeeren am Wegrand und die frische Quelle wie über den verstauchten Fuss und die schmerzenden Knie.

Wenn du wachsam bist, erkennst du, dass diese Welt und dieses Dasein keine Illusion sind, denen zu entfliehen es gilt, sondern dass sie das liebevolle Werk des Göttlichen sind und dass sein Geist allem – dem Schiefer, der Alpenrose, dem Steinbock, dem Hirtenjungen, aber auch der Seilbahn zum Gipfel und dem Flugzeug, das über den Bergen kreist – innewohnt. Und du siehst, dass sie zwar noch nicht vollkommen, jedoch auf dem Weg zur Vollkommenheit sind, und du weisst: Nicht indem du andere änderst, trägst du zum grossen Werk bei, sondern nur wenn du an deiner eigenen Vollkommenheit arbeitest.

Wenn du wachsam bist, ist das Leben ein Schauspiel, in welchem dir die Hauptrolle zugeteilt ist. Für dich ist nur deine eigene Rolle von Bedeutung, nur in ihr kannst du dich verwirklichen, nur dank ihr kannst du dich entwickeln. Du bist Akteur in einem Stück, dessen Bühne die ganze Welt ist und dessen Ablauf nur der Grosse Regisseur kennt, der das Drehbuch auch geschrieben hat. Deine Aufgabe ist es, seinen Anweisungen in der Stimme deiner Seele zu folgen und deine Rolle so gut wie möglich zu spielen – ganz gleich, welche es gerade ist, die eines Bettlers oder die eines Königs, die eines unbeschwerten Kindes oder die eines sterbenden Greises.

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Der Tod – immer ein unerwarteter Gast

Das Thema meines letzten Beitrags lässt mich noch nicht los. Von einem gewissen Alter an kommt es nun einmal immer häufiger vor, dass wir geliebte Menschen durch Tod verlieren. Deshalb noch einige weitere Gedanken dazu.

Tagtäglich kommen wir mit dem Tod in Berührung: Wir lesen in der Zeitung, sehen im Fernsehen Bilder von Toten durch Unfälle, Naturkatastrophen, Verbrechen, Kriege; auch in unserem näheren oder weiteren Umfeld, im Bekanntenkreis oder am Arbeitsplatz, stirbt von Zeit zu Zeit jemand oder erleidet eine lebensbedrohliche Krankheit. Obwohl der Tod also allgegenwärtig ist, leben wir nicht wirklich Seite an Seite mit ihm: Sobald er an unsere eigene Türe klopft, erschrecken wir gewaltig und wollen nichts mit ihm zu tun haben.
Der Tod betrifft immer nur die anderen, wir rechnen nicht mit diesem unerwünschten Gast. Raubt er uns einen Menschen, der uns wirklich na­hesteht, sind wir völlig unvor­bereitet und müssen von Grund auf lernen, mit dem Schmerz und dem Verlust umzugehen.

Wäre es denn sinnvoll, mit dem Tod zu leben, bevor der Ernstfall tatsächlich eintritt? Ist es überhaupt möglich, ihn in der Theorie vorwegzunehmen, lernen mit ihm umzugehen, solange er nicht wirklich präsent ist? Stellt er nicht immer eine „Ausnahmesituation“ dar?
Vermutlich nützt uns eine gemachte Erfahrung, sei es in der Realität oder lediglich durch die gedankliche und emo­tionale Auseinandersetzung, für einen künftigen To­desfall nicht viel: Jeder ist etwas anderes und von Neuem unbekannt. Uns auf den konkreten Tod eines geliebten Menschen vorzubereiten, wird uns wahrscheinlich nicht gelingen.

Sinnvoller ist es – und das hilft uns bei jedem Verlust, ob durch Tod oder durch Trennung –, die Eigenschaften und Werte in uns aufzubauen und zu stärken, die uns in jeder Lebenssituation tragen: Urvertrauen, Gleichmut und die Hingabe an das Göttliche.

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Der „heilige Mann“ und der Sünder

Wieder einmal eine Geschichte aus dem alten Indien. Viel Freude beim Lesen!

Gott schickte den heiligen Narada zur Erde, um fromme Menschen aufzusuchen. Als erstes begegnete er einem alten Asketen; dieser erzählte ihm, nicht ohne Bitterkeit, er hätte 80 Jahre lang die strengsten Praktiken und härteste Selbstdisziplin ausgeübt, aber ohne besonderen Erfolg. Als Narada ihm eröffnete, er sei ein Bote Gottes, sagte ihm der Asket: „Wenn du also Gott das nächste Mal siehst, frag ihn, warum er mich trotz meines frommen Lebens bis jetzt nicht erhört hat.“ Narada versprach es ihm und ging weiter.
Er rastete an einem Ort, wo ein junger Mann versuchte einen Zaun zu bauen; er war aber stockbetrunken und fluchte, weil es ihm nicht gelang, die Pfähle in die Erdlöcher zu rammen. Narada bot ihm seine Hilfe an, aber der Betrunkene erwiderte, er werde nur die persönliche Hilfe Gottes annehmen, seines Freundes, der Verstecken mit ihm spiele und sich davor drücke, ihm bei der Arbeit zu helfen! Narada war empört über diese Gotteslästerung und gab sich zu erkennen. Da forderte der junge Mann ihn auf, Gott zu fragen, warum er ihn bisher nicht besucht habe, obwohl er doch schon so lange auf ihn warte.
Nachdem Narada zu Gott zurückgekehrt war, erzählte er ihm, was er mit dem Asketen und dem Betrunkenen erlebt hatte. Gott, der die beiden natürlich kannte, äusserte sich liebevoll über den jungen Mann und bekräftigte seine Weigerung, sich dem Asketen zu zeigen. Narada wunderte sich sehr darüber.
Um ihm zu beweisen, wer von den beiden der wahre Suchende sei, schickte Gott Narada nochmals auf die Erde und trug ihm auf, beiden folgende Botschaft zu überbringen: „Gott ist momentan damit beschäftigt, Millionen von Elefanten durch Nadelöhren zu zwängen. Aber wenn er damit fertig ist, wird er dich besuchen.“
Narada überbrachte die Nachricht zuerst dem Asketen. Dieser erzürnte sehr und schrie: „So ein Blödsinn, Elefanten durch Nadelöhren zwängen! Ihr macht euch nur über mich lustig und er wird nie zu mir kommen – oder vielleicht gibt es gar keinen Gott und ich habe mein Leben mit Busse und Enthaltsamkeit verschwendet!“ Er warf alles hin und machte sich auf, die versäumten Genüsse des Lebens nachzuholen.
Narada war schockiert und beeilte sich, den jungen Mann aufzusuchen und ihn mit der gleichen Botschaft zu konfrontieren. Als dieser Gottes seltsame Aussage hörte, machte er Luftsprünge vor Freude und rief: „Gott hat mich erhört, er wird zu mir kommen! Was hat es schon zu bedeuten, dass er Millionen von Elefanten durch Nadelöhren zwängt: Mit Seiner Allmacht kann er das in einer Sekunde tun! Und dauerte es auch eine Ewigkeit, sein Versprechen genügt mir: Er wird zu mir kommen, irgendwann!“

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Selbstveränderung

Ich glaube, dass es im Leben viel gefährlicher ist, in den alten Gewohnheiten und Gewissheiten zu bleiben. Das Leben ist nicht statisch, es bringt immer Veränderungen. Gefährlich wird es, wenn wir nicht bereit sind, Risiken einzugehen.
[…]
Tun wir immer das Gleiche, produzieren wir immer dasselbe Resultat. Das genügt nicht. Wir müssen über verschiedene Denkansätze und Handlungsweisen verfügen. So lernen wir, auf unvorhergesehene Situationen gut zu reagieren.
[…]
Ich habe gelernt, überlieferte Überzeugungen und Paradigmen infrage zu stellen und das Gegenteil zu denken. Es gibt drei Werkzeuge im Leben: Neugierde, Ausdauer und Respekt.
(aus einem Interview mit Bertrand Piccard, erschienen in Readers’s Digest Schweiz, Juni 2009)

Die obigen Aussagen stammen von einem Menschen, den ich bewundere – nicht nur für seinen Mut, sondern vor allem für seine Weisheit (ich habe schön öfters Interviews von ihm gehört oder gelesen und war jedes Mal beeindruckt).

Ich habe schon einmal ausführlich über das Thema „Selbstveränderung“ geschrieben – lustig, auch damals angeregt durch Bertrand Piccard, wie ich gerade feststelle! Nämlich hier.
Deshalb heute nur eine kurze, intensive Ermunterung an euch alle: Habt den Mut, neue Wege zu beschreiten, aus den gewohnten Denkmustern auszubrechen, ein Risiko (das in Wirklichkeit keines ist!) einzugehen!
Die eigene Veränderung zum Lebensziel zu erklären, ist der einzige Weg, der Angst und gleichzeitig der Sinnlosigkeit zu entgehen.

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„Das Buch Antares“: Zeit und Raum und Tiefe und Spannung…

Coverbild
Mir wurde ein Buch geschenkt, das ganz nach meinem Geschmack ist: ein spannender Roman mit spiritueller Tiefe, der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft vermischt, den Verstand verwirrt und den Geist beflügelt. Beruflich bin ich ständig mit Lesen und Schreiben beschäftigt, vornehmlich von Fach- und Sachtexten; in meiner Freizeit will ich Bücher, die leicht zu lesen sind (bei denen ich nicht jeden Satz zuerst analysieren muss, um ihn zu verstehen), dennoch nicht oberflächlich, die spannende und tiefgründige Geschichten erzählen. Und solche Bücher gibt es meiner Meinung nach viel zu wenige – das war einer der Gründe, warum ich vor bald einem Jahrzehnt meine beiden spirituellen Erzählungen schrieb.
Deshalb will ich euch heute auch „Das Buch Antares“ von Mitra Devi empfehlen. Ich zitiere aus dem Klappentext:

Im Zürich von heute tritt eine junge Frau vor den Richter. Angeklagt des Mordes an der eigenen Schwester, rennt sie an gegen eine Mauer des Schweigens und gerät in die geschlossene Abteilung einer psychiatrischen Klinik. Im Venedig des Mittelalters flieht ein verwaister Junge vor der Pest. Er findet Aufnahme in einem Nonnenkloster. Doch als der schwarze Tod vor den Klostermauern nicht Halt macht, steht er wieder verlassen da. Ein geheimnisvoller Brief seines Vaters bringt ihn in die Fänge der Inquisition. Auf dem Mars lebt eine Kolonie von Menschen. Sie sind die letzten ihrer Art, auf der Erde ist alles Leben durch Krieg vernichtet worden. Das Überleben des Menschen scheint gesichert. Da macht sich ein gewaltiger Asteroid bemerkbar, der auf den roten Planeten zurast.
Das Unheil nimmt seinen Lauf. Wie aus dem Nichts taucht «Springer» auf, ein seltsamer Wicht aus einer anderen Dimension, der darauf drängt, dass Menschen aus den vertrauten Bahnen ausbrechen. Es beginnt ein furioser Ritt durch Zeiten und Welten.

Erhältlich im Buchhandel und bei Online-Shops.

Übrigens: Ich bin dankbar für eure Buchempfehlungen! Ihr könnt Sie auf dieser Website hinterlassen, indem ihr auf „Einen Kommentar schreiben“ klickt. Herzlichen Dank!

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Die Verantwortung abgeben

Möchten wir das nicht alle? Jemanden haben, der uns in jedem Augenblick sagt, was wir tun und was wir lassen sollen – vorausgesetzt er besässe die absolute Wahrheit und wüsste wirklich, was richtig und was falsch ist… und wir nicht mehr selbst für unser Tun die Verantwortung tragen müssten.

Es war einmal ein guter König, der stets um das Wohl seines Reiches und seiner Untertanen besorgt war. Doch diese Pflichten und die Verantwortung, die er trug, zehrten an ihm; oft verbrachte er schlaflose Nächte vor lauter Sorge, falsche Entscheidungen zu treffen oder nicht genug zu tun, um Unheil von seinem Land abzuwenden.
Als er immer betrübter und erschöpfter davon wurde, vertraute er sich einem Weisen an, der in einer Waldeinsiedelei lebte.
„Wenn deine Aufgabe dich so sehr belastet, solltest du jemanden finden, der sie dir abnimmt“, riet ihm der Einsiedler. Der König antwortete: „Es ist nicht einfach, ein gerechter Herrscher zu sein; wen könnte ich damit beauftragen?“
Als der Weise sich anerbot, diese Pflicht zu übernehmen, war der König hocherfreut, konnte er sich doch niemanden vorstellen, der besser dafür geeignet wäre. Feierlich sagte er zu ihm: „Ich übergebe dir mein Reich“, und fühlte bei diesen Worten, wie alle Last von ihm abfiel. Dann verfinsterte sich sein Blick und er meinte stirnrunzelnd: „Doch was soll ich jetzt tun? Ich muss mir eine neue Aufgabe suchen…“
Der Einsiedler sprach ihm Mut zu: „Bei deinen Fähigkeiten, wirst du bestimmt das Passende finden.“ Dann fügte er hinzu: „Wenn du jetzt in deinen Palast gehst, um deine Minister von unserer Vereinbarung in Kenntnis zu setzen, überbringe ihnen bitte die folgende Botschaft von mir: Sie sollen sich gleich darum bemühen, jemanden zu finden, der die Tagesgeschäfte für mich erledigt.“
Erstaunt wandte der König ein: „Willst du das denn nicht selbst tun?“
Der Weise schüttelte den Kopf: „Nein, ich bin ein Asket, ich kann nicht im Palast wohnen; ich werde von hier aus regieren und meinem Stellvertreter Anweisungen geben. – Übrigens: wärst du nicht interessiert an dieser Arbeit? Mit deiner Erfahrung als König bist du doch bestens dafür geeignet…“
Sofort erklärte sich der König dazu bereit und der Einsiedler trug ihm auf: „Handle immer, wie du es für richtig hältst; störe mich nicht unnötig, wirklich nur wenn du ein Problem nicht selber lösen kannst.“
So kehrte der König in seinen Palast zurück und herrschte als Stellvertreter des Weisen. Die Arbeit machte ihm Freude – spürte er doch nicht länger die Last der Verantwortung. Und es hatte sich äusserlich überhaupt nichts geändert…

Wie schön, die Verantwortung einfach abzugeben und unbekümmert zu handeln! Und dabei dennoch alles so gut wie möglich erledigen – das versteht sich –, aber ohne diese Belastung, wir könnten etwas falsch machen, es könnte schief herauskommen…
Wir können die Verantwortung für unser Leben und unser Handeln abgeben – an das Göttliche. Und dann leicht und sorgenlos leben, im Vertrauen, dass Es schon das Richtige daraus entstehen lässt.

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Schicksalsschläge

Eine Bekannte von mir hat binnen weniger Monate viel Schweres erlitten, und zwar in jedem Lebensbereich, dem persönlichen, dem beruflichen und auch in ihrem Umfeld. Sie steht gewissermassen nackt da, ganz am Boden. Es stellt sich die Frage, warum es solche Häufungen von Schicksalsschlägen gibt – wo doch der einzelne schon schwer zu bewältigen ist und alle zusammen kaum mehr zu ertragen.

Jedes Ereignis an sich hat eine bestimmte Bedeutung, die wir erkennen oder nicht. Käme es als Einzelereignis daher, bestünde offenbar die Gefahr, dass wir uns irgendwie „herauswinden“ ohne daraus zu lernen: Ein einzelnes Problem lässt sich einfacher lösen oder verdrängen. Die Häufung jedoch führt uns an unsere Grenzen, an den Punkt, an dem wir etwas unternehmen müssen – oder „untergehen“: Vielleicht wagen wir positive neue Schritte, weil wir „nichts mehr zu verlieren haben“ (in der Tat haben wir nie etwas zu verlieren!); oder nach einer Zeit des Schmerzes und der Verzweiflung, die wir mit Gleichmut zu ertragen lernen sollen, eröffnen sich uns ungeahnte, bereichernde Möglichkeiten, die wir nicht wahrnehmen könnten, wären die sogenannten Schicksalsschläge nicht alle zusammen aufgetreten.
Und leider sind es oft die schweren Schicksalsschläge, die uns erst auf unseren spirituellen Weg führen oder uns darin bestärken…
Wichtig ist, das Vertrauen nicht zu verlieren, dass nichts geschieht, um uns zu strafen oder zu verletzen. Alles dient unserer Entwicklung und mündet im Guten, in Glück und Erfüllung. An dieser Überzeugung sollten wir unter allen Umständen festhalten!

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Der Fluss in der Wüste

Die Religionen haben ihre Dogmen erstellt und sie streiten untereinander, jede meint, nur sie besitze die absolute Wahrheit. Doch in ihrem Kern, in ihrer mystischen Ausprägung, findet sich immer die gleiche Wahrheit: Die direkte Gotteserfahrung führt immer nur zum Einen – wie könnte es auch anders sein, da doch das Göttliche nur eines ist!
Eine der wichtigen Aussagen jeder Mystik lautet: Wir müssen loslassen, was uns an das Irdische bindet, und uns vollständig der Göttlichen Führung anvertrauen.
Ja, Urvertrauen und Hingabe… und etwas Mut.
Hier eine hübsche Geschichte aus dem Sufismus (mystische Richtung des Islam) zu diesem Thema.

Ein Fluss entsprang einer Quelle im Gebirge und strömte hinab ins Tal, durch Wälder und Wiesen, bis er schliesslich die Wüste erreichte. Er hatte alle bisherigen Hindernisse überwunden und sich seinen Weg sogar durch harten Fels erkämpft; doch so sehr er sich auch bemühte, die Wüste zu durchqueren – sein Wasser versickerte im Sand. Er spürte aber, dass seine Bestimmung jenseits der Wüste lag, nur wusste er nicht, wie er sein Ziel erreichen könnte.
Da hörte er eine Stimme aus der Ferne: „Der Wind überquert die Wüste – ergib dich ihm, er wird dich hinüber tragen.“
Der mächtige Strom, der immer alles allein geschafft hatte, war nicht angetan von der Idee, sich dem Wind anzuvertrauen – und ein bisschen Angst hatte er auch, denn er konnte sich nicht vorstellen, wie das gehen sollte.
Der Sand schien seine Gedanken zu erraten und erklärte ihm: „Der Wind nimmt dein Wasser in die Luft auf, weht es über die Wüste und lässt es als Regen fallen, sodass es wieder zu einem Fluss werden kann.“
Der Strom zögerte, er wollte doch seine Eigenart nicht aufgeben! Und wäre er danach immer noch der Gleiche?
„Du kannst in keinem Fall bleiben, was du bist. Gibst du dich nicht dem Wind hin, stirbst du im Sand“, flüsterte die geheimnisvolle Stimme. „Doch sieh: Das Wesentliche an dir wird bestehen bleiben, das, was du in Wahrheit bist…“
So liess der Fluss seinen Dunst aufsteigen, der Wind trug ihn immer höher und wehte ihn über die Wüste hinweg bis zu einem Gebirge. Hier liess er ihn sanft herabfallen, reines Wasser, und der Strom erkannte, dass er jetzt wirklich er selbst war.

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Das Leiden der „Unschuldigen“

Warum müssen „Unschuldige“ leiden und sterben, beispielsweise unschuldige Opfer eines Unfalls, die hungernden Kinder? Das ist eine Frage, die sich die Menschen immer wieder stellen und die manche an der Existenz eines gütigen, barmherzigen Gottes zweifeln lassen.

Eine pauschale Erklärung dafür gibt es nicht. Zumindest keine, die der menschlichen Logik gerecht würde. „Vernünftige“ Erklärungen bieten das Karma-Gesetz oder die Vorstellung eines Göttlichen Plans, in dem diese Ereignisse eben einen Grund haben, den wir Menschen allerdings nicht wissen – und womöglich auch nicht verstünden.
Weit verbreitet ist auch die Theorie des Advaita-Vedanta (eine der Richtungen der altindischen Philosophie), die kurz umrissen besagt, dass die Welt, alles „Erschaffene“, nur eine Illusion (= Maya) sei (also auch das Leiden und der Tod) und die einzige Wirklichkeit das Göttliche, mit dem wir eins sind, ohne uns dessen bewusst zu sein.
Wir können uns das so vorstellen: Eine Zelle unseres Körpers (beispielsweise eine Leberzelle) fühlt sich als ein eigenständiges Wesen, sie funktioniert tatsächlich ganz für sich allein; sie ist sich zwar bewusst, dass sie Teil eines Grösseren ist (der Leber) und mit den anderen Leberzellen zusammenlebt, doch sie nimmt das übergeordnete Wesen (den Menschen), von dem sie ein Teil ist, nicht wahr.
Analog, immer gemäss der indischen Philosophie, realisieren wir menschliche Wesen ebenso wenig, dass wir nicht nur Teile der Menschheit sind, sondern auch Teile eines grösseren Ganzen. Diese Wahrheit wird durch Maya sozusagen verschleiert und unsere Aufgabe und Ziel ist es, den Schleier zu durchdringen und die Wirklichkeit zu erkennen.
Somit wäre auch jedes individuelle Leiden nur eine Illusion – gelingt es uns, diese Illusion zu beseitigen, hört das Leiden auf.

Diese Erkenntnis soll uns dazu verhelfen, dass wir das eigene Leiden mit etwas mehr Distanz betrachten und relativieren, und verhindern, dass wir bei unseren leidenden Mitmenschen mit-leiden – doch selbstverständlich sollen wir ihnen mit Nächstenliebe und Barmherzigkeit begegnen, ihnen Trost spenden und nach unseren Möglichkeiten dazu beitragen, ihr Leiden zu lindern.

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