Buddhas brennendes Haus

In einem Gedicht lässt Bertolt Brecht* den Buddha ein Gleichnis erzählen. Er kam zu einem brennenden Haus, in dem noch Menschen waren. Er rief ihnen zu, sie sollen sich retten, aber die Leute begannen Fragen zu stellen: „Wie ist das Wetter draussen?“; „Gibt es ein anderes Haus für uns?“ und mehr dergleichen. Der Buddha dachte bei sich, diese Leute müssten verbrennen, bevor sie aufhörten, Fragen zu stellen, und ging.

Ja, in der Tat, wenn wir uns in einem brennenden Haus befinden, müssen wir nur sehen, dass wir herauskommen – zu erfahren, wer es angezündet hat, wie es draussen ist, wohin wir anschliessend gehen sollen, nützt uns nichts.

Oft wollen wir wissen, warum wir uns in einer bestimmten Situation befinden, was dazu geführt hat, wer schuld daran sei, anstatt zuerst einmal einen Ausweg zu finden: „Die Situation X ist, wie sie ist, an diesem Punkt meines Lebenswegs stehe ich gerade – wie kann ich sie verändern?“ Unsere Innere Stimme wird uns die Antwort geben; vertrauen wir ihr blind, auch wenn unser Verstand keine rationale Argumentation dafür liefern kann. Unsere Seele weiss immer, was gut für uns ist.
Danach, aber erst danach, können wir uns Fragen stellen, wie: „Was soll ich daraus lernen? Welchen Sinn hat das Geschehene für mich?“ Und: „Wohin könnte ich von hier aus gehen?“

*Den Gedichttext findet ihr auf der Philos-Website. Brecht schrieb das Gedicht 1937, um vor dem Nationalsozialismus zu warnen. Buddha hatte in seinen Lehren tatsächlich die irdische Existenz als brennendes Haus bezeichnet, das wir verlassen müssen, um dem Leiden zu entkommen.

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